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Warum Kfz-Versicherungen immer teurer werden

Iris Schulz
9. Sept.
3 Min. Lesezeit

Viele Autofahrer haben in den vergangenen Jahren deutliche Beitragserhöhungen bei ihrer Kfz-Versicherung erhalten. Selbst Kunden, die lange unfallfrei gefahren sind, müssen teilweise erheblich mehr bezahlen.

Das wirkt zunächst widersprüchlich. Der persönliche Beitrag hängt jedoch nicht nur vom eigenen Schadenverlauf ab. Entscheidend ist auch, wie teuer Unfallschäden insgesamt geworden sind. Genau diese Kosten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Wie stark sind die Kosten gestiegen?

Einen einheitlichen Prozentsatz für alle Versicherten gibt es nicht. Die Beitragshöhe hängt unter anderem vom Fahrzeug, Wohnort, Versicherungsumfang, Schadenfreiheitsrabatt und der jährlichen Fahrleistung ab.

Die Zahlen der Versicherungswirtschaft zeigen jedoch, warum viele Tarife teurer geworden sind:

  • Ein durchschnittlicher Sachschaden in der Kfz-Haftpflichtversicherung kostete 2024 rund 4.250 Euro.

  • Im Jahr 2017 waren es noch ungefähr 2.700 Euro.

  • Damit verteuerte sich ein durchschnittlicher Schaden innerhalb von sieben Jahren um fast 60 Prozent.

  • Die Beitragseinnahmen der Kfz-Versicherer stiegen 2025 insgesamt um 13,4 Prozent.

Das Beitragswachstum von 13,4 Prozent bedeutet nicht, dass jeder einzelne Vertrag genau um diesen Wert teurer wurde. Es zeigt aber, wie stark die Versicherer ihre Einnahmen nach verlustreichen Jahren anpassen mussten.

Ersatzteile sind erheblich teurer geworden

Einer der wichtigsten Gründe sind die Preise für Ersatzteile. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft stiegen diese zwischen 2015 und 2025 um mehr als 80 Prozent. Der allgemeine Verbraucherpreisindex nahm im gleichen Zeitraum nur um ungefähr 30 Prozent zu.

Allein zwischen August 2024 und August 2025 verteuerten sich die untersuchten Ersatzteile durchschnittlich um knapp sechs Prozent. Bei einzelnen Karosserieteilen wie Vordertüren und Motorhauben betrug der Anstieg rund acht Prozent.

Besonders teuer sind häufig:

  • LED- und Matrixscheinwerfer

  • Stoßfänger mit Sensoren

  • Kameras und Radarsysteme

  • Außenspiegel mit Elektronik

  • Windschutzscheiben mit Assistenztechnik

  • Karosserieteile mit Herstellerschutz

Aus einem vermeintlich kleinen Parkschaden kann deshalb schnell eine Reparatur über mehrere Tausend Euro werden.

Auch die Werkstattkosten steigen

Neben den Ersatzteilen wird die Arbeitszeit in den Werkstätten teurer. Im Jahr 2024 kosteten Arbeiten an Mechanik, Elektrik oder Karosserie durchschnittlich 202 Euro pro Stunde. Bei Lackierarbeiten waren es sogar etwa 220 Euro.

Seit 2017 erhöhten sich die Werkstattstundensätze damit um ungefähr 50 Prozent. Die allgemeine Teuerung lag im gleichen Zeitraum bei rund 24 Prozent.

Die Versicherer müssen bei einem regulierten Schaden nicht nur das beschädigte Bauteil bezahlen. Hinzu kommen Arbeitszeit, Lackierung, Diagnose, Vermessung und häufig die Kalibrierung von Kameras oder Assistenzsystemen.

Moderne Fahrzeuge sind aufwendiger zu reparieren

Moderne Technik kann Unfälle verhindern oder deren Folgen abschwächen. Kommt es dennoch zu einem Schaden, ist die Reparatur häufig komplizierter.

In Stoßfängern, Windschutzscheiben und Außenspiegeln befinden sich heute Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren. Nach einem Austausch müssen diese Systeme geprüft und teilweise neu kalibriert werden.

Dadurch kann ein äußerlich kleiner Schaden einen erheblichen technischen und finanziellen Aufwand verursachen. Das gilt sowohl für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als auch für Elektroautos und Hybridfahrzeuge.

Warum müssen auch unfallfreie Fahrer mehr bezahlen?

Eine Kfz-Versicherung funktioniert nach dem Prinzip einer Risikogemeinschaft. Die Beiträge aller Versicherten finanzieren die Schäden, die innerhalb des versicherten Bestandes entstehen.

Wer unfallfrei fährt, profitiert zwar weiterhin von seiner Schadenfreiheitsklasse. Steigen jedoch die durchschnittlichen Kosten für Ersatzteile, Werkstätten und Schadenregulierung, kann sich trotzdem der Grundbeitrag erhöhen.

Hinzu kommen weitere Faktoren:

  • Änderungen der Typklasse des Fahrzeugs

  • Änderungen der Regionalklasse

  • steigende Kosten für Glas-, Wild- und Unwetterschäden

  • höhere Fahrzeugwerte

  • mehr Technik und Elektronik im Fahrzeug

  • veränderte Schadenbilanzen einzelner Fahrzeugmodelle

Eine neue Typklasse allein erklärt allerdings nicht den gesamten Versicherungsbeitrag.

Warum unterscheiden sich die Beiträge so stark?

Versicherer kalkulieren ihre Tarife unterschiedlich. Zu den persönlichen Merkmalen gehören unter anderem:

  • Fahrzeugmodell und Motorisierung

  • Wohnort beziehungsweise Zulassungsbezirk

  • Schadenfreiheitsklasse

  • Alter der Fahrer

  • jährliche Fahrleistung

  • Stellplatz oder Garage

  • Haftpflicht, Teilkasko oder Vollkasko

  • Höhe der Selbstbeteiligung

  • vereinbarte Werkstattbindung

  • privater oder gewerblicher Einsatz

Deshalb können zwei äußerlich ähnliche Fahrzeuge unterschiedlich hohe Beiträge verursachen.

Was können Versicherte tun?

Eine regelmäßige Überprüfung des Vertrags kann sich lohnen. Dabei sollte jedoch nicht nur auf den Preis geachtet werden.

Sinnvolle Prüfpunkte sind:

  • Ist die angegebene jährliche Fahrleistung noch richtig?

  • Werden wirklich alle eingetragenen Fahrer benötigt?

  • Passt die Selbstbeteiligung noch zur persönlichen Situation?

  • Ist eine Werkstattbindung akzeptabel?

  • Wird eine Vollkaskoversicherung für das Fahrzeug noch benötigt?

  • Sind grobe Fahrlässigkeit, Tierbiss-Folgeschäden und erweiterte Wildschäden ausreichend versichert?

  • Wie hoch ist die Deckungssumme in der Kfz-Haftpflicht?

Wer nur den günstigsten Tarif auswählt, kann im Schadenfall unangenehme Überraschungen erleben. Leistungen, Rückstufungstabellen und Selbstbeteiligungen sollten deshalb immer mitverglichen werden.

Erhöht der Versicherer den Beitrag, ohne den Versicherungsschutz entsprechend zu erweitern, kann ein Sonderkündigungsrecht bestehen. Die Kündigung muss grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Erhalt der Mitteilung erfolgen. Maßgeblich sind die Angaben im Schreiben des Versicherers.

Fazit

Die Preissteigerungen bei Kfz-Versicherungen haben nachvollziehbare wirtschaftliche Gründe. Ersatzteile, Werkstattarbeit und moderne Fahrzeugtechnik machen Unfallschäden erheblich teurer als noch vor einigen Jahren.

Trotzdem sollten Autofahrer eine Erhöhung nicht ungeprüft hinnehmen. Ein Vergleich kann sinnvoll sein – allerdings nur, wenn neben dem Preis auch Leistungen, Selbstbeteiligung und Vertragsbedingungen berücksichtigt werden.

Bei einem Fahrzeugwechsel oder einer Neuzulassung lohnt es sich, die voraussichtlichen Versicherungskosten bereits vor der Zulassung zu prüfen.

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